
Fernseher mit nachträglich eingebautem Ambilight-Effekt
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGELIm Meer der Fernseher, die heute eigentlich fast alle smart sind und fast immer UHD-Auflösung bieten, haben die Geräte von Philips seit vielen Jahren ein Alleinstellungsmerkmal: Ambilight. Der Begriff bezeichnet in die Seiten der Geräte eingefasste LED-Bänder, die passend zu dem, was gerade auf dem Bildschirm passiert, in entsprechenden Farben strahlen und so die Wand hinter dem TV beleuchten. Der Effekt lässt das Bild größer wirken und macht es den Augen leichter, weil zwischen Fernsehbild und Wand ein weicher Übergang entsteht.
Da Philips der einzige Hersteller ist, der Ambilight anbieten kann, mussten Fans dieser Technologie bisher stets Philips-Fernseher kaufen. Wer sich für ein Gerät eines anderen Herstellers entschied, musste auf den Effekt der Blinkelampen verzichten – bis im Herbst 2019 eine Lösung zum Nachrüsten auf den Markt kam.
Als ich das Nachrüstset damals ausprobierte, war ich von dem System allerdings wenig begeistert: Die Lampen, die Philips zum Hinter-den-Fernseher-Stellen lieferte, gaben die Farbigkeit des Fernsehbildes nur ungenau, mit deutlicher Verzögerung und räumlich begrenzt wieder, das System litt unter Softwareproblemen. Bei Kosten von knapp 400 Euro für die Grundausstattung konnte man niemandem empfehlen, sich diesen Ambilight-Abklatsch zu kaufen.
Ein Jahr später verspricht das Unternehmen, das System mit dem neuen Philips Hue Play Gradient Lightstrip deutlich verbessert zu haben. Grund genug, ihm mit der neuen Version eine zweite Chance zu geben.
Geblieben ist allerdings die Play HDMI Sync Box als Grundvoraussetzung. Der kleine schwarze Kasten enthält die Elektronik, die den Fernseher mit den vernetzten Hue-Lampen von Philips verbindet. Die Box wird zwischen die externen Zuspielgeräte – also Set-Top-Boxen, Spielkonsolen und Blu-ray-Player – und den TV-Apparat geschaltet. Über ihre vier HDMI-Eingänge nimmt sie die Signale der externen Geräte an und gibt sie, ebenfalls per HDMI, an den Fernseher weiter.
Genau das ist eine Schwäche des Systems: Die Box kann nur verarbeiten, was von außen in den TV eingespeist wird. Wenn man das normale Fernsehprogramm über den eingebauten Tuner seines Fernsehers anschaut, lässt sich die Box nicht nutzen.
Grundsätzlich könnte man dann jede farbfähige Lampe aus dem Hue-Sortiment von Philips benutzen, um den Raum synchron zu den Farben des TV-Bildes zu beleuchten. Aber so erreicht man nur eine grobe Wiedergabe des Farbenspiels auf dem TV-Bildschirm. Die neuen Gradient Lightstrips hingegen sollen einen ähnlich feinen Lichteffekt hinbekommen wie die LED-Leisten in den Philips-Fernsehern.

Der montierte Gradient Lightstrip
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGELDer feine Unterschied: Die Gradient Lightstrips werden nicht eingebaut, sondern mithilfe spezieller Halterungen auf die Rückseite des Fernsehers aufgeklebt. Philips bietet die mit einer Vielzahl von LEDs bestückten Kunststoffschläuche in drei Größen für Fernseher ab 55, ab 65 und ab 75 Zoll an. Das kleinste Modell passt aber auch an meinen 49-Zoll-TV recht gut, wobei dessen schlicht gestaltete Rückseite mit dem aufgeklebten LED-Schlauch nicht mehr ganz so elegant aussieht wie zuvor.
Dafür ist der Effekt umso beeindruckender. Die LEDs leuchten tatsächlich perfekt synchron zum Geschehen auf dem Bildschirm in den passenden Farben auf und illuminieren so die Wand oder den Raum hinter meinem TV wie eine große Leinwand. Das Ergebnis ist kaum von dem zu unterscheiden, was ein integriertes Ambilight macht. Mit dem feinen Unterschied, dass ich die Box immer erst per Smartphone-App einschalten muss, was schon etwas lästig ist.

Alles so schön bunt hier
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGELAber wenn das System erst mal läuft, macht es auch Spaß. Nicht so sehr bei Space-Operas und Horrorfilmen, in denen es meist düster zugeht. Doch immer, wenn Licht im Spiel ist, scheint das Umfeld des Fernsehers Teil des Films zu werden. Das gilt vor allem für Naturdokus. Von den nervigen Fehlern, die das System noch vor einem Jahr geplagt haben, ist nichts mehr zu sehen, offenbar hat die Software der Sync Box zwischenzeitlich einige Updates bekommen.
Fazit
Kein Update gab es hingegen bei den Preisen. So viel Spaß es macht, einen Fernseher mit Sync Box und Gradient Lightstrip von Philips zum Ambilight-Heimkino aufzurüsten, so teuer ist es auch. Die Leuchtstreifen selbst sind mit Preisen von 180 bis 230 Euro – je nach Größe – schon keine Schnäppchen. Hinzu kommt dann aber noch die Sync Box, für die man weitere 250 Euro kalkulieren muss. Und wer noch keine Hue-Lampen in seinem Haushalt einsetzt, braucht dann auch noch eine sogenannte Hue Bridge, die einzeln 60 Euro kostet.
So kommt man schnell auf Gesamtkosten von bis zu 540 Euro, die sich allenfalls lohnen, wenn man damit einen sehr hochwertigen, also teuren Fernseher aufrüsten will. Ansonsten wäre es wohl ratsam, bis zum nächsten TV-Neukauf zu warten und dann gleich ein Gerät mit eingebautem Ambilight zu nehmen.
Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort
Über welche Produkte wir in der Netzwelt berichten und welche wir testen oder nicht, entscheiden wir selbst. Für keinen der Testberichte bekommen wir Geld oder andere Gegenleistungen vom Hersteller. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass wir über Produkte nicht berichten, obwohl uns entsprechende Testprodukte vorliegen.
Testgeräte und Rezensionsexemplare von Spielen bekommen wir in der Regel kostenlos für einen bestimmten Zeitraum vom Hersteller zur Verfügung gestellt, zum Teil auch vor der offiziellen Veröffentlichung. So können unsere Testberichte rechtzeitig oder zeitnah zur Veröffentlichung des Produkts erscheinen.
Vorabversionen oder Geräte aus Vorserienproduktionen testen wir nur in Sonderfällen. In der Regel warten wir ab, bis wir Testgeräte oder Spielversionen bekommen können, die mit den Verkaufsversionen identisch sind. In einigen Fällen kaufen wir Produkte auch auf eigene Kosten selbst, wenn sie bereits im Handel oder online verfügbar sind.
In der Regel werden Testgeräte nach dem Ende des Tests an die Hersteller zurückgeschickt. Die Ausnahme sind Rezensionsexemplare von Spielen und sogenannte Dauerleihgaben: So haben wir zum Beispiel Spielekonsolen und Smartphones in der Redaktion, die wir über längere Zeit nutzen dürfen. So können wir beispielsweise über Softwareupdates, neues Zubehör und neue Spiele berichten oder Langzeiturteile fällen.
Die Kosten für Reisen zu Veranstaltungen, egal ob sie in Deutschland oder im Ausland stattfinden, trägt DER SPIEGEL stets selbst. Das gilt auch dann, wenn beispielsweise aufgrund kurzfristiger Termine ein Unternehmen die Reiseplanung übernimmt.
Veranstaltungen, zu denen wir auf eigene Kosten reisen, sind unter anderem die Messen Ifa, CES, E3 und Gamescom sowie Events von Firmen wie Apple, Google, Microsoft oder Nintendo. Auf Konferenzen wie dem Chaos Communication Congress oder der re:publica bekommen wir in der Regel, wie auch andere Pressevertreter, kostenlose Pressetickets, da wir über die Konferenz berichten und keine klassischen Teilnehmer sind.
Seit Dezember 2016 finden sich in einigen Netzwelt-Artikeln Amazon-Anzeigen, die sogenannte Partner-Links enthalten. Besucht ein Nutzer über einen solchen Link Amazon und kauft dort online ein, wird DER SPIEGEL in Form einer Provision an den Umsätzen beteiligt. Die Anzeigen tauchen in Artikeln unabhängig davon auf, ob ein Produkttest positiv oder negativ ausfällt.
https://ift.tt/2KCW0Xi
Wissenschaft & Technik
Bagikan Berita Ini
0 Response to "Hue Play Gradient Lightstrip im Test: So wird die Wand ein Teil des Fernsehers - DER SPIEGEL"
Post a Comment