Samsungs Odyssey Neo G9 ist riesig und durch Mini-LED auch kontraststark. Es gibt derzeit keinen besseren (und teureren) 32:9-Monitor für Gaming.

Wenn ein Wort Samsungs 32:9-Monitor Odyssey Neo G9 treffend beschreibt, dann ist es wohl der Begriff "extrem". Der Hersteller will nicht nur mit extremen Werten wie dem sehr leuchtstarken Panel, der schieren Größe des Monitors, der starken Krümmung, der hohen Bildfrequenz oder dem enormen Kontrast durch Mini-LEDs - einzigartig in diesem Segment - punkten. Auch der Preis von 2.160 Euro ist ziemlich extrem.
Bei der Konkurrenz gibt es 49 Zoll (124,4 cm) große Ultrawide-Monitore für 1.000 Euro und weniger. Warum sollten wir uns also für ein mehr als doppelt so teures Produkt entscheiden? Ganz einfach: weil Samsung den wohl besten 49-Zoll-Ultrawide-Monitor verkauft - zumindest für eine bestimmte Zielgruppe.
Displaygröße | 49"/124,4 cm (32:9 Ultrawide, Curved 1000R) |
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Panel | VA mit Mini-LED (240 Hz, 2.048 Local-Dimming-Zonen, 5.120 x 1.440 Pixel) |
Panelwerte | Helligkeit ~ 816 cd/m²/954 cd/m² (HDR), 89,7% DCI-P3 |
Features | Adaptive Sync (AMD Freesync Premium Pro, Nvidia G-Sync compatible), Bild-in-Bild für max. 2 Geräte, Bildschirmfadenkreuz, Einstellungen für Gamma, Helligkeit, Kontrast, Farbtemperatur, RGB-Werte, Custom-Bildschirmprofile |
Anschlüsse | 1x Displayport 1.4, 2x HDMI 2.0b, 2x USB-A 3.2 Gen1, 1x 3,5-mm-Klinkenanschluss |
Ergonomie | höhenverstellbar (12 cm), schwenkbar (30 Grad), neigbar (16 Grad), VESA-Mount (100 x 100 mm), Headsethalter, Kabelmanagement |
Maße lt. Datenblatt | 114,9 x 53,7 x 41,8 cm, 14,5 kg Gewicht |
Energiebedarf | ~ 60 Watt (50 Prozent Helligkeit, Full Local Dimming) |
Preis | 2.160 Euro |
Mit 240 Hz, Adaptive Sync per AMD Fresync Premium Pro, Nvidia G-Sync compatible, dem reaktionsschnellen Panel inklusive Mini-LED-Hintergrundbeleuchtung und einer relativ hohen Helligkeit soll der Monitor vor allem Gaming-Enthusiasten ansprechen. Die kommen hier voll auf ihre Kosten. Allein zum Arbeiten ist der Bildschirm aber zu schade.
Platz auf dem Schreibtisch muss sein
Es ist vor dem Kauf ratsam, genau zu prüfen, ob man für einen 49-Zoll-Monitor wie den Neo G9 genug Platz hat. Der Monitor ist schlichtweg riesig: 115 cm nimmt er von links nach rechts ein. Allerdings ist eher die 1000R-Krümmung das Problem, wegen der das Produkt auch einen ausladenden Standfuß verwendet. Etwa 35 cm Tiefe sollten wir auf dem Schreibtisch frei haben, damit wir den Monitor auch sinnvoll aufstellen können. Eine Tischplatte mit 80 cm Breite ist also von Vorteil.
Schon auf der Rückseite sieht das Panel nach einem Raumschiffcomputer aus - passend zur Gaming-Zielgruppe, die Samsung hier ansprechen will. Die weißen Akzente und das mit (ausschaltbaren) blauen LEDs beleuchtete Gelenk erinnern auch ein wenig an eine Turbine. Uns gefällt die Optik des Odyssey-Monitors. Zudem ist das Kunststoffgehäuse gut verarbeitet.
Der Standfuß bietet für die meisten Menschen genug Einstellungsspielraum. Wir können das Panel vertikal und horizontal um 30 respektive 18 Grad neigen und schwenken. Die Höheneinstellung ist in einem Rahmen von etwa 12 cm möglich. Sind wir besonders große Menschen, die auch im Sitzen weit über den Tisch hinausragen, dann könnte das etwas wenig sein. Ein paar Zentimeter mehr würden hier den Unterschied machen. Eine Pivotfunktion für den Hochkantbetrieb fehlt hier, wäre zwecks der schieren Größe und des Curved-Panels aber auch absurd.
Unabhängig davon steht das Panel sehr stabil auf dem Standfuß und wackelt nicht. Praktisch ist auch die kleine Kabeltrasse unter der Standfußabdeckung aus Kunststoff. Darüber können wir Display- und Stromkabel (ein Standard-Kaltgerätekabel) zentriert an der Unterseite des Sockels herausführen.
Kabel sind dabei
Mitgeliefert wurden alle Anschlusskabel, die wir für den Betrieb brauchen, darunter ein Displayport-Kabel, ein HDMI-Kabel und das Stromkabel selbst. Es stehen drei Displayanschlüsse zur Verfügung: eine Displayport-1.4-Buchse und zwei HDMI 2.1-Ports. Es existiert auch ein USB-Hub mit zwei USB-A-3.2-Gen1-Anschlüssen. Das reicht für Maus und Tastatur aus. Ein paar USB-Anschlüsse mehr würden aber sicher nicht schaden.
Der Monitor lässt sich nicht per USB-C an ein Gerät anschließen. Entsprechend werden auch keine in Büros oft gewünschten Funktionen wie Power Delivery oder ein KVM-Switch geboten. Ganz klar konzentriert sich Samsung hier auf Gaming-Kunden im Desktop-Segment, die ihren PC per Displayport und eine Spielekonsole mit HDMI anschließen.
Der Bildschirm unterstützt auch Bild-in-Bild und kann so maximal zwei angeschlossene Geräte gleichzeitig anzeigen. Es ist zudem möglich, zwei Kabel in die gleiche Grafikkarte einzustecken. Dann imitiert der Bildschirm zwei 27-Zoll-Monitore, nur ohne die nervigen Ränder in der Mitte.
Denn das große gekrümmte Display ist klar das Highlight des Neo G9.
Nach dem ersten Einschalten des großen 49-Zoll-Panels müssen wir uns erst einmal umstellen. Auf ein 1000R, also mit einem Radius von einem Meter gekrümmtes Display, schauen wir normalerweise nicht. Nach etwas Eingewöhnung halten wir die Krümmung aber für sinnvoll, da so ein natürlicheres Sehen in alle Ecken des Displays möglich ist. Die starke Krümmung ist zudem schnell vergessen, wenn wir die sehr hohe Helligkeit und gute Reaktionszeit des Panels betrachten.
Wir messen bei maximalem Local Dimming sowie 100 Prozent Helligkeit und Kontrast eine durchschnittliche Leuchtdichte von 816 cd/m². Das ist wesentlich mehr, als der Hersteller im Datenblatt verspricht (420 cd/m²). Allerdings messen wir im HDR-Modus nur Spitzen von 954 cd/m². Das wiederum liegt unter den von Samsung beworbenen 2.000 Nits für Quantum HDR, ist aber noch immer ein sehr hoher Wert.
Gute Schwarzwerte mit Local Dimming
Unter Windows 11 ist das HDR-Profil des Monitors generell sichtbar dunkler. Wir ignorieren die 10 Bit Farbtiefe deshalb. Kontraste sind auch so bereits gut genug - dank Mini-LED-Hintergrundbeleuchtung. Die schalten wir durch zwei verschiedene Local-Dimming-Stufen hinzu. Im Prinzip handelt es sich um eine herkömmliche Hintergrundbeleuchtung, nur in einer dichter gedrängten Matrix, die zudem über das gesamte Display und nicht nur an den Rändern installiert ist.
Bei angezeigten Schwarzwerten wird so ein sehr hoher Kontrast erreicht, weil sich Mini-LEDs präzise abschalten können. Schwarze Flächen leuchten hier tatsächlich so wenig, dass sie von unserem Messsensor als 0 cd/m² angezeigt werden - beeindruckend für ein VA-Panel.
Die vielen Mini-LEDs - 2.048 Zonen - können zudem einen bei Local Dimming häufig auffälligen Halo-Effekt um kleine helle Elemente herum verringern. Das leichte Leuchten um den Mauscursor herum ist fast gar nicht zu sehen und stört keineswegs während der Arbeit oder des Spiels.
Dass sich die Helligkeit durch Local Dimming je nach angezeigtem Inhalt teils dynamisch ändert, ist zwar merklich, aber ebenfalls nicht nervend. Manchmal fällt das in Games wie Battlefield 2042 auf, wenn wir mit unserer Waffe auf eine dunkle Fläche zielen. Dann entstehen leichte Leuchtringe um das Visier herum. Wie gesagt: Den Kompromiss gehen wir gerne ein, wenn Schwarzwerte und Kontraste dafür so enorm gut aussehen.
Ausleuchtung nicht immer homogen
Ganz perfekt ist das Panel aber auch nicht: So erkennen wir bei einem vollkommen weißen Testbild stellenweise dunklere Streifen. Wir würden das der Krümmung zuschreiben, da mit der Flüssigkristallschicht auch die Mini-LED-Matrix gebogen werden muss. Kleinste Ungenauigkeiten können Helligkeitsunterschiede nach sich ziehen. Samsung hatte in der Vergangenheit Probleme, Monitore wie den Odyssey Neo G9 überhaupt in zufriedenstellender Qualität zu produzieren. Es beruhigt, dass der Konzern dazu trotzdem in der Lage ist.
Gerade in schnellen Games merken wir hier auch die besonders guten Pixelreaktionszeiten des Monitors. Dabei ist die zugrundeliegende VA-Technik normalerweise für Schlieren und Ghosting besonders anfällig. Würden wir es nicht besser wissen, könnten wir es für ein IPS-Panel halten.
Schon im bekannten Ufo-Webtest erkennen wir bei 240 Hz fast gar keine Artefakte. Texte und Elemente verschmieren auch nicht deutlich, wenn wir Fenster schnell hin- und herziehen. Games wie Battlefield 2042, Cyberpunk 2077, Borderlands 3, Star Citizen und Age of Empires IV sehen allesamt sehr gut aus. Bei dem Preis würden wir auch nicht weniger erwarten.
32:9 in Games sinnvoll
Übrigens ist die 32:9-Bilddiagonale in den meisten Spielen ein Vorteil. In Strategiespielen wie Age of Empires IV sehen wir mehr von der Karte, in Shootern wie Battlefield 2042 haben wir mehr Aussicht zu unseren Seiten hin. Elemente strecken sich am Rand allerdings, je nach Spiel, mal mehr oder weniger, was zu einer verzerrten Optik führen kann. Dafür sind gerade Simulationen wie Star Citizen perfekt für das Ultrawide-Format gemacht. Das Mittendringefühl steigt damit umso mehr.
Das setzt natürlich voraus, dass wir auch eine ausreichend schnelle Grafikkarte verwenden. 5.120 x 1.440p entspricht rein rechnerisch zwar nicht ganz der Anzahl an Pixeln von 4K-Monitoren mit 3.840 x 2.160 Pixeln. Dazu kommen aber 240 Hz Bildfrequenz, die auch genutzt werden möchten. Mittels Adaptive Sync (AMD Freesync Premium und G-Sync compatible), einschaltbar über das Bildschirmmenü, können wir zumindest die Bildfrequenz der Renderfrequenz in Games anpassen, denn selbst eine Nvidia Geforce RTX 3090 schafft Spiele wie Cyberpunk 2077 nicht so schnell zu berechnen.
Aber auch außerhalb von Games liefert der Odyssey Neo G9 gute Ergebnisse.
Für die Arbeit eignet sich der Monitor gut, denn hier können wir problemlos drei Fenster nebeneinander anordnen. Das ist zwar mit zwei 27-Zoll-Monitoren ebenfalls wesentlich günstiger möglich, allerdings müssen wir uns dann mit den Bildschirmrändern in der Mitte des Monitoraufbaus herumärgern. Auf einem Ultrawidescreen legen wir Fenster einfach zentriert ab.
Übrigens eignet sich das Snap-Layout mit drei Fenstern in Windows 11 perfekt für ein 32:9-Display. So können wir relativ schnell diverse Fenster nebeneinander nutzen. Alternativ gibt es dafür auch Layoutmanager von Drittherstellern, die auch ohne Windows 11 mit seinen vielen nicht unbedingt sinnvollen Änderungen genutzt werden können.
Für Bildbearbeitung und Videoschnitt ist das große Panel eine solide Wahl. In Photoshop legen wir etwa auf dem zusätzlichen Platz Werkzeuge, Templates, Ebenen und andere Funktionsfenster ab, während wir zentral zeichnen oder Bilder bearbeiten können. Videoschnittprogramme wie Adobe Premiere profitieren vom zusätzlichen Platz etwa in der Schnitt-Timeline und mehreren nebeneinanderliegenden Vorschaufenstern.
Übersichtliches Bildschirmmenü
Ab Werk ist der Monitor dabei mit einem leichten Grünstich kalibriert. Den können wir mit dem Bildschirmmenü schnell ausgleichen, was auch für Kontrast, Gamma, Bildschärfe, Helligkeit und andere Parameter gilt. Die Bedienung des Menüs geht einfach per Mini-Joystick von der Hand. Wir können uns ein eigenes Farbprofil erstellen oder ein paar voreingestellte Profile wählen. Einige Funktionen sind allerdings ausgegraut und werden trotzdem angezeigt, was ein wenig verwirrend sein kann.
Das Panel deckt nach unseren Messungen 99,5 Prozent des SRGB-Farbraums ab. Auch 89,7 Prozent DCI-P3 sind noch drin. Es ist daher für Bildbearbeitung geeignet. Profis finden hier aber sicher bessere Alternativen wie den Eizo Flexscan EV3895 im 24:10-Format und mit noch besser eingestelltem IPS-Panel. Die sind auch nicht ganz so teuer.
Beim Arbeiten ist die hohe Bildfrequenz von 240 Hz im Vergleich zu 60 Hz von Vorteil, da sich Mauscursor und Scrollen auf Webseiten und in Dokumenten wesentlich flüssiger anfühlen. Der Unterschied zu einem 144-Hz-Panel, dem aktuellen Standard im Gaming-Bereich, ist hingegen weniger spürbar.
Zudem hat das 32:9-Format auch einen Nachteil: Filme und Serien schauen wir auf dem Display im Vollbild mit sehr großen schwarzen Rändern links und rechts. Der zusätzliche Platz auf dem Bildschirm ist dann nicht nutzbar und die Anzeigefläche schrumpft auf Größe eines einzelnen 27-Zoll-Monitors zusammen. Auch unterstützen einige Games wie Blizzards Overwatch die überbreiten Auflösungen aus kompetitiven Gründen nicht. Schließlich hätten Besitzer des Odyssey Neo G9 sonst einen Sichtvorteil.
Das ist aber nicht nur bei Samungs Monitor so, sondern generell dem 32:9-Format zuzuschreiben.
Der Samsung Odyssey Neo G9 ist bei Samsung selbst meist ausverkauft. Onlinehändler oder Elektronikketten wie Media Markt und Saturn bieten den Monitor allerdings zum hohen Preis ab 2.160 Euro an. Für 800 Euro weniger gibt es auch den Vorgänger mit ähnlich gekrümmtem VA-Display, aber ohne Mini-LED-Hintergrundbeleuchtung. Im Preissegment um 1.500 Euro sind auch andere 32:9-Monitore zu haben.
Fazit
Mit seiner Mini-LED-Hintergrundbeleuchtung denkt Samsung das Konzept des stark gekrümmten 32:9-Monitors konsequent weiter. Der Bildschirm kann trotz VA-Technik daher sehr gute Schwarzwerte erzielen. Local Dimming klappt in den meisten Fällen und produziert beeindruckende Kontraste.
Echte Lichtringe um Elemente sind durch die hohe Mini-LED-Dichte von 2.048 Local-Dimming-Zonen kaum zu erkennen. Wir stellen allerdings minimale Schlieren in Games fest, wenn wir uns in kontrastreichen Umgebungen aufhalten. Diese Artefakte verschwinden bei ausgeschaltetem Local Dimming.
Generell ist die Reaktionsschnelligkeit des Panels beeindruckend: In Games und auf dem Desktop können wir kaum Schlieren oder Artefakte feststellen. Das kann auch an den 240 Hz Bildfrequenz liegen, die das Panel darstellen kann.
Kombiniert mit einer Auflösung von 5.120 x 1.440 Pixeln und dem schönen, 49 Zoll großen 32:9-Panel haben wir für drei Fenster nebeneinander auch beim Arbeiten viel Platz. In Games ist das überbreite Format teilweise ein kompetitiver Vorteil, weil wir mehr sehen. Einzig beim Abspielen von Videos ist formatbedingt mit großen schwarzen Rändern zu rechnen.
Das Panel ist nicht nur kontraststark, sondern auch überdurchschnittlich hell. Wir messen im Schnitt 816 cd/m² in SDR und maximal 954 cd/m² in HDR. Die Farbabdeckung ist mit 89,7 Prozent DCI-P3 gut. Nur bei Grüntönen zeigt der Monitor ein paar Schwächen.
Den Monitor können wir mittels Displayport und HDMI anschließen. Mit nur zwei zusätzlichen USB-A-Ports ist er als dediziertes Bürogerät wohl aber eher ungeeignet. Dafür ist das Panel auch zu schade.
Wenn Geld keine Rolle spielt und es ein 49-Zoll-Monitor im 32:9-Format sein soll: Der Odyssey Neo G9 ist sicherlich der beste Monitor dieser Art - sowohl für Spiele als auch für Video- und Bildbearbeitung. Und High-End-Hardware fordert eben High-End-Preise. Das wird sich wohl nicht so schnell ändern.
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